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Thomas Gries (Hrsg.)Heinrich Seidel
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Der 1842 als Sohn eines Pfarrers in Perlin geborene Seidel studiert in Hannover und Berlin und wird Ingenieur. Für den Anhalter Bahnhof in Berlin entwirft er das damals auf dem Kontinent größte eiserne Dach und führt gleichzeitig ein, wie er selbst schreibt, „sonderbares Doppelleben“ als Dichter-Ingenieur. Bald schon gibt er den Ingenieurberuf auf und widmet sich ausschließlich seinem Steckenpferd, der Schriftstellerei.
Sein Spruch und Lebensmotto "Dem Ingenieur ist nichts zu schwer" findet 1871 im „Ingenieurlied“ Niederschlag (in dieser Ausgabe). Berühmt wird der 1906 verstorbene Seidel durch seine anderen Werke „Leberecht Hühnchen“ und „Wintermärchen“.
Die vorliegende Neuausgabe Heinrich Seidels Autobiographie ist eine detailreiche und amüsante Zeitreise in die Mitte des 19. Jahrhunderts, ganz ohne die heutigen allgegenwärtigen „Zeitfresser“ Telefon, TV, Internet, E-Mail. Seidels charmanter, moderner und überraschend zeitgemäßer Stil lässt keine Langeweile aufkommen. Umfangreiche Namens-, Orts- und Sachregister und zehn Abbildungen ergänzen die vollständig durchgesehene Neuausgabe seiner Erinnerungen.

Als Sohn des Pfarrers Heinrich Alexander Seidel und seiner Frau Johanna Seidel geb. Römer wird Heinrich Friedrich Wilhelm Karl Philipp Georg Eduard Seidel am 25. Juni 1842 in Perlin (Mecklenburg) geboren. Er studiert am Polytechnikum in Hannover und der Gewerbeakademie in Berlin und wird Ingenieur. Ab 1872 beschäftigt er sich in Berlin im Neubaubüro der Berlin-Anhalter Eisenbahn unter anderem mit dem Bau des Anhalter Bahnhofs und entwirft die damals in Europa einmalige eiserne Hallendachkonstruktion mit einer Spannweite von mehr als 62 Metern und zahlreiche hydraulische Hebevorrichtungen (Aufzüge) für den Bahnhof und die Stadtbahn.
Seit 1870 führt er aber auch ein „sonderbares Doppelleben“ als Dichter-Ingenieur und schreibt darüber selbst: „Ich war ängstlich bemüht, meine praktische Berufstätigkeit und meine poetischen Liebhabereien scharf auseinander zu halten. Ich habe jahrelang mit Leuten auf einem Büro zusammengearbeitet, ohne dass diese Ahnung davon hatten, dass meine Mußezeit von ganz anderen Interessen ausgefüllt wurde.“ 1880 gibt er folgerichtig den Ingenieurberuf auf und widmet sich von nun an ausschließlich seinem Steckenpferd, der Schriftstellerei.
Der bekannte Spruch "Dem Ingenieur ist nichts zu schwer" ist sein Motto und findet 1871 im „Ingenieurlied“ Niederschlag (in dieser Ausgabe). Berühmt wurde Seidel durch seine anderen Werke, insbesondere durch die bürgerliche Großstadtidylle „Leberecht Hühnchen“ und die „Wintermärchen“.
Heinrich Seidel ist Mitglied der mecklenburgischen Landsmannschaft Obotritia. In Berlin tritt er dann der noch heute bestehenden Studenten- und Ingenieurverbindung HÜTTE (Akademischer Verein HÜTTE Berlin) bei. Zusammen mit Friedrich Eggers ist er außerdem im Berliner literarischen Gesellschaftsverein „Tunnel über der Spree“ (bekannt durch Theodor Fontane) aktiv, über den er im vorliegenden Buch auch ausführlich berichtet.
Seidel verstirbt am 7. November 1906 in Berlin. Sein Ehrengrab befindet sich an der Westmauer des Alten Friedhofs Lichterfelde in der Berliner Moltkestraße 42.
Als Herausgeber dieser Neuausgabe wünsche ich den Leserinnen und Lesern eine alle Sinne anregende Zeitreise in die Mitte des 19. Jahrhunderts – ohne Telefon, TV, Internet und die anderen heute üblichen allgegenwärtigen Zeitfresser. Heinrich Seidels charmanter Stil ist modern, überraschend zeitgemäß und außerordentlich witzig – er lässt einfach keine Langeweile aufkommen. Dazu tragen auch seine anderen kleinen Geschichten und Geschichtchen in diesem Buch bei.
Ein umfangreiches Namens-, Orts- und Sachregister ergänzt diese Neuausgabe, die nach den Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung gültig ab August 2006 sorgfältig durchgesehen und korrigiert wurde.
Berlin im September 2006
Der Herausgeber